Das Leben der Blattläuse in meinem Garten gibt es jetzt als Comic. Hier bestellen.
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Dienstag, 30. Juni 2015

Die Bienenweide des faulen Gärtners

Der Weissklee wertet jeden Rasen auf. Ganz von selbst.
Oh ja. Endlich zahlt sich Faulheit einmal aus. Landauf landab wurde in den letzten Wochen Rasen gemäht. Nun scheint sich eine gewisse Erschöpfung einzustellen. Die Grünflächen sind nicht mehr ganz so kurz geschoren. Als wunderbares Resultat dieses Nichtstuns haben sich die Rasen in Bienenweiden verwandelt. Der Weissklee produziert innert Wochenfrist neue Blüten. Mancher Fussballplatz und in mancher Vorgarten sieht aus wie ein einziges blühendes Kleefeld. Honigbienen und Hummeln lieben das.
Wer also ohne grosse Anstrengung für Bienen etwas Gutes tun will, der mäht seinen Rasen nur alle zwei bis drei Wochen. Auf diese Weise wird aus der grünen Wüste eine Nektarstation für Bienen. 

Dienstag, 16. Juni 2015

Nachhaltiger Holzabbau

Eigenartige Spuren auf dem Lattenzaun.

Kürzlich war ich auf Besuch bei einem Freund. Er liebt die Gartenarbeit und hat vor einiger Zeit einen Lattenzaun aus unbehandelten Brettern gebaut. Auf ihnen fand ich seltsame Spuren. Sie erinnerten mich an die Frassspuren von Schnecken. Mit Frassspuren lag ich schon mal richtig. Aber es war ein ganz anderes Tier, das sich hier gütlich tat.
Nach einer Weile tauchte es schliesslich auf. Es war eine Wespe. Sie nagte die oberste Schicht des Holzes ab, vermischte die Fasern mit ihrem Speichel und produzierte eine Art flüssiges Papier daraus. Mit ihm erweiterte sie ihr Nest. Wespen können mit ihren Mandibeln diesen Brei tatsächlich zu Papier verarbeiten. Mit ihren Mandibeln und ihrer Zunge gehen sie so geschickt mit diesem Baumaterial um, dass es am Ende eine runde Wand von weniger als einem Millimeter Dicke entsteht.
Bei der Beschaffung des Rohmaterials sind Wespen nicht zimperlich. Sie nagen auch Telefonmasten an, obwohl diese mit Imprägniermittel behandelt sind. Die Insekten produzieren jedoch keine Löcher, sondern nagen immer nur die oberste Schicht ab. Dabei bewegen sie sich immer leicht vorwärts, was zur Bildung dieser hellen Bahnen führt. Auch wenn der Zaun oder der Telefonmast nicht nachwächst, so lässt sich diese sparsame und schonende Form des Holzabbaus wohl als nachhaltig bezeichnen.
Die Verursacherin ist eine Wespe.

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Weihnachtliches Ökosystem

Von aussen sieht die Keksdose unschuldig aus.
Im Moment schmecken die Weihnachts-Kekse noch vorzüglich. Doch je mehr Zimtsterne, Linzeraugen, Vanillekipferl und Lebkuchen wir in uns aufnehmen, desto mehr rebelliert unser Gaumen gegen die an ihm vorbeiziehenden Zucker-, Vanille- und Schokonuancen. Nussig und zitronengetränkt erträgt er schon bald nicht mehr.
Das ist in der Regel die Zeit, in der neue Ökosysteme geschaffen werden. Die Keksdosen, in denen einige Brunsli und Mailänderli hartnäckig die Stellung halten, landen nämlich im Schrank gleich neben den zehn Jahre alten Karamellbonbons. Dort machen die Kekse in der Regel einen sehr langen Winterschlaf. Wenn der Frühling kommt, hat man sie schon längst vergessen. Im Sommer denkt niemand auch nur im entferntesten an Kekse. Im Herbst ist Weihnachten noch zu weit weg, um sich dem Thema zu widmen. Aber spätestens an Weihnachten, wenn sich eine neue Generation von Keksen auf dem Tisch zu einem Berg türmt und Behältnisse Mangelware sind, erinnern wir uns an die Dosen vom letzten Jahr.
Drinnen zeigt sich, was mit meinen Keksen von
letztem Jahr passiert ist.
Wer sie zum ersten Mal seit 12 Monaten öffnet, kann einen Schock bekommen. Denn Brunsli und Mailänderli haben manchmal ihre Erscheinungsform erheblich verändert. Bei unseren fand gar eine regelrechte Verwandlung statt. Als wir die Keksdose öffneten, fanden wir eine riesige Kolonie aus Mehlmotten vor. Zudem war die ganze Dose ausgekleidet mit einem grauen Seidengespinst.
Offenbar hat sich letzten Januar, als die Dose in den Schrank wanderte, eine einzelne Mehlmotte zwischen den Keksen versteckt. Es muss sich um ein schwangeres Weibchen gehandelt haben. Dieses kann bis zu fünfhundert Eier ablegen. Die aus ihnen schlüpfenden Maden machten sich mit Freuden über die Kekse her. Um zu überleben, brauchen sie kein Wasser. Alle stärkehaltigen Speisen sind ihnen recht.
Der Mangel an Keksen liess das Ökosystem
schliesslich kollabieren.

Während die Maden fressen, ziehen sie ständig einen Seidenfaden hinter sich her. Mit der Zeit bildet sich ein dichtes Gespinst. Offenbar haben sich die Maden schliesslich verpuppt und es sind Hunderte von Motten geschlüpft. Vielleicht haben sich die Geschwister untereinander erneut verpaart. Vermutlich haben sie sogar Eier abgelegt, doch die erste Generation hat die Vorräte bereits aufgebraucht.
Das von alten Weihnachtskeksen angetriebene Ökosystem überdauerte wohl nur ein oder zwei Monate, dann kollabierte es. Zurück blieben eine Menge luftgetrockneter Motten, das Gespinst und darunter ein riesiger Haufen Kot.

Sonntag, 16. November 2014

Getarnte Puppen

Die Puppe passt sich immer der Farbe ihres
Untergrundes an. Sie kopiert sogar den leichten Gelbstich
des alten Fenchelkrauts.
Seit diesem Monat bin ich ein noch grösserer Fan der Schwalbenschwanz-Schmetterlinge. Nicht nur, dass sie drei Generationen pro Jahr hervorbringen, dass sie den langsamsten Flügelschlag aller europäischen Insekten haben, oder dass sie ihre Eier zählen können – sie besitzen auch eine eingebaute Tarnvorrichtung.
Ich entdeckte sie, als sich die Raupen in meinem Schmetterlingskasten zu verpuppen begannen. Mir ist aufgefallen, dass die Puppen je nach Untergrund eine andere Färbung besitzen. Auf braunem Holz sind sie in Brauntönen gehalten. In der Nähe des schwarzen Fliegengitters verzieren sie ihre Hülle mit schwarzen Strähnen. Wenn sie sich im grünen Kraut des Fenchels verpuppen, sind sie grün.
Auf dem braunen Holz ist die Puppe braun.
Offenbar scannt die Raupe zu beginn des Verpuppungsvorgangs die Farbe des Untergrundes und schafft es dann irgendwie ihren Pigmentzellen den Befehl für die Produktion der entsprechenden Farben zu erteilen. Das Verrückte dabei ist, dass es ein oder zwei Wochen dauert, bis die Raupe vollständig verpuppt ist. Da sich die Augen wie auch der Rest der Raupenhaut irgendwann abzulösen beginnen, muss die Puppe sich irgendwie an die Farbe, welche die Raupe gesehen hat, erinnern. Das ist ein kleines Wunder, denn die Puppe ist in ihrem Innern flüssig. Sie befindet sich im Zustand der Metamorphose und besitzt während dieser Zeit keine Organe und vor allem kein Gehirn.
Wenn die Puppe sich mit zuckenden Bewegungen aus der alten Raupenhaut schält, ist sie zunächst grün gefärbt. Erst nach einigen Stunden nimmt sie die Farbe des Untergrundes an. Wo diese Information gespeichert ist, ist ein Rätsel.
In der Nähe des schwarzen Fliegengitters mischt sie
einen grösseren Anteil schwarz bei.



Die Puppe streift die Haut der
Raupe ab.

Das ist etwas mühsam für sie. Mit
zuckenden Bewegungen...

...schafft sie es schliesslich.

Am nächsten Tag ist sie braun, wie das
Holz, auf dem sie sich festgezurrt hat.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Der Untergang eines Staates

Da war die Welt noch in Ordnung. Balkonbau
bei den Hornissen.

Sie haben sich ungefragt und heimlich eingenistet. Gleich nachdem die jungen Kohlmeisen flügge waren, kam die Hornissen-Königin und nahm den Nistkasten in Besitz. In ihrem Leib trug sie ihren zukünftigen Staat in Form von Hunderter befruchteter Eier mit sich herum. Zuerst baute sie einige Waben aus zerkautem Holz und legte in jede von ihnen ein Ei. Aus ihnen schlüpften Larven, welche die Königin mit frischen Insekten fütterte. Nach einigen Tagen waren die Larven gross und dick und vollzogen ihre Metamorphose zur fertigen Hornisse. Dazu verschloss die Königin jede Wabe mit einem Deckel, damit die wundersame Verwandlung ungestört vonstatten gehen konnte.

Die Öffnung des Nistkastens nach dem
ersten Schnee. Die toten Arbeiterinnen
purzeln raus.

Die neuen Arbeiterinnen waren nur halb so gross wie die Königin, doch sie gingen mit demselben Eifer ans Werk. Zu ihren ersten Aufgaben gehörte wohl, dass sie das alte Vogelnest aus dem Nistkasten entfernten. Das nahm nur unnötig Platz weg und musste darum raus. Ein trockener Grashalm und eine Flaumfeder nach der anderen wurden fortgetragen und irgendwo im Garten deponiert. Das alles geschah heimlich, ohne dass ich es bemerkt hätte. Ein kleiner Hornissenstaat funktioniert wie eine militärische Spezialeinheit: lautlos und unsichtbar.
Doch irgendwann im Juli wurden sie enttarnt. Sie fielen ihrem eigenen Erfolg zum Opfer. Der Staat war nun auf einige Hundert Tiere angewachsen und vor dem Loch des Nistkastens gab es pro Minute mehr An- und Abflüge als am Flughafen Zürich zu den Stosszeiten.

Diese Arbeiterin ist noch beim Schlüpfen
erfrohren.

Hätte ich jetzt etwas unternehmen sollen? Na ja, Hornissen besitzen einen miesen Ruf. Drei Stiche sollen einen Menschen töten. Aber das ist Blödsinn. Ihr Gift ist in der Stärke vergleichbar mit dem von Wespen. Zudem sind Hornissen sehr sanftmütig. Sie schwirren einem nicht vor dem Kopf herum, wie es die Wespen tun. Sie stürzen nicht in Scharen herbei, sobald man im Garten ein Bier öffnet. Nein, Hornissen haben ganz andere Interessen. Sie interessieren sich nicht für die Nahrung von uns Menschen. Stattdessen jagen sie nach Insekten. Nur diese proteinreiche Kost besitzt genügend Nährwert, um ihren Staat noch weiter wachsen zu lassen.
Oft konnte ich im Sommer Hornissen beobachten, die über meinem blühenden Kräutergarten patrouillierten. Immer wieder flogen sie die Blütenköpfe ab und schnappten sich dann eine Fliege und brachten sie zurück zum Nest.

Kälte und Hunger fordern
ihren Tribut.

Im August ging ihnen schliesslich der Platz im Nistkasten aus. Da bauten die einfallsreichen Tiere einfach einen Balkon an ihr Vogelhaus. An ihn hängten sie weitere Waben und der Staat wuchs und wuchs. Anfang Herbst begann die Königin damit, unbefruchtete Eier zu legen. Aus ihnen entwickelten sich Hornissen-Männchen. Sie wurden ausschliesslich zur Paarung ins Leben gerufen. Zeitgleich begann die Aufzucht der Jungköniginnen. Sie sollten sich mit den Männchen paaren und im nächsten Jahr neue Kolonien gründen.
Inzwischen war es Herbst und der langsame Niedergang des Hornissen-Staates zeichnete sich ab. Insekten wurden aufgrund der Kälte immer rarer. In der Folge fand der Staat nicht mehr genügend Nahrung, um sich und seine Brut zu ernähren. Der Flugbetrieb nahm ab und als die erste Kältewelle über den Garten hereinbrach, kauerten die Hornissen dicht beieinander im Nest und warteten auf den sicheren Tod.
Nach dem ersten Schneefall nahm ich den Kasten vorsichtig vom Baum und legte ihn auf den Gartentisch.
Der Tod im Hornissen-Staat hat viele Gesichter.

Nichts regte sich. Langsam öffnete ich den Kasten. Übler Gestank schlug mir entgegen. Am Boden des Nests tummelten sich Fliegenmaden und frassen auf, was ihnen in die Quere kam. Und überall lagen Hornissenleichen. Viele Dutzend erfrorene Arbeiterinnen purzelten aus dem Nest. Einige bewegten sich zwar noch, aber es gab keinen Anlass zur Hoffnung. Hier ist der Tod eingezogen und er wird bleiben.
Die Phasen der Metamorphose von der
Larve bis zur fertigen Arbeiterin.

Tiefer im Nest dann ein Lichtblick. Zwischen den Waben-Stockwerken hatten sich ein Dutzend Jungköniginnen verschanzt. Sie waren grösser als die Arbeiterinnen und sie hatten sich im Herbst einen Fettvorrat angefressen. Von ihm zehrten sie jetzt bis in den Frühling. Weil ihr Winterspeck so kostbar war, bewegten sie sich kaum. Sie hoben nur mal ab und zu ein Bein oder drehten den Kopf.
In diesen Königinnen lag die ganze Hoffnung des verendenden Staates. Sie bildeten das Vermächtnis von vielen Hundert Arbeiterinnen und der Alt-Königin, die sich irgendwo im Garten zum Sterben niedergelegt hatte. Da ich den Nistkasten reinigen wollte, entnahm ich die Jungköniginnen und packte sie in eine Plastikdose, die ich im Geräteschuppen deponierte. Dort sind sie vorerst gut aufgehoben. Im Frühling werde ich für sie einige Nistkästen bereitstellen, damit der Hornissen-Staat erneut auferstehen kann. 

Mittwoch, 11. September 2013

Abgerutscht

Ein Brummer verliert die Haftung.
Nachtfalter finden auf allen Oberflächen Halt. Das liegt an ihren Füssen. Ihre Unterseite ist mit feinen Härchen bedeckt. Diese schmiegen sich so eng an die Unterlage, dass sie praktisch mit ihr verschmelzen. Dabei ziehen die Atome der Unterlage die Atome der Härchen an, wie Milliarden winziger Magnete. Das funktioniert am besten, wenn die Oberfläche einige Unregelmässigkeiten aufweist. Das vergrössert die Zahl der Atome, die sich gegenseitig anziehen. Umgekehrt verringert eine sehr glatte Oberfläche die Kontaktfläche. Wenn der Nachtfalter dazu noch sehr schwer ist, reicht die Anziehung zwischen den Atomen nicht aus, um sein Gewicht zu tragen. Bei diesem Exemplar ist das der Fall. Er hat sich auf dem Küchenfenster niedergelassen. Seine sechs Füsse schaffen es nicht, ihn an Ort und Stelle zu halten. In der Folge rutscht der Falter langsam ab. Mögliche Lösungen für sein Problem: Mehr Füsse, eine Abmagerungskur oder ein Rastplatz mit einer raueren Oberfläche. Er hier hat sich dazu entschieden, einfach so lange zu abzurutschen, bis es nicht mehr weiter geht.

Freitag, 14. Juni 2013

Schlaue Schmetterlinge

Das sieht anstrengend aus: Der Schwalbenschwanz
biegt sein Hinterteil nach vorne und legt ein Ei ab.

Der Schwalbenschwanz ist ein seltener Gast in unseren Gärten. Dafür aber ein sehr zuverlässiger. Jedes Jahr fliegt mindestens einer von ihnen an den Gemüsebeeten vorbei auf der Suche nach geeigneten Futterpflanzen, auf denen er seine Eier ablegen kann. Für die Raupen kommen Fenchel, Dill oder Karotten in Frage. Heuer habe ich das Spektakel wieder einmal miterleben dürfen und dabei entdeckt, wie schlau diese Tiere sind.
Findet ihr das hellgelbe Ei im Bild?

Ein Schwalbenschwanz fliegt ungeheuer langsam. Dauernd hat man das Gefühl, dass er jetzt dann gleich abstürzen muss. Er besitzt mit fünf Schlägen pro Minute den langsamsten Flügelschlag aller Insekten. Es scheint fast, als würde er sich über die Gesetze der Aerodynamik lustig machen. Wenn sich seine Flügel an den Luftmolekülen vorbeischieben machen sie ein deutlich hörbares Geräusch, wie zwei flatternde Papierstreifen im Wind.
Seine Mission ist die Eiablage. Er gaukelt über den zarten Salat, die Zwiebeln, die aufkeimenden Bohnen und lässt sich dann punktgenau auf dem Fenchel nieder. Dort presst er sein Hinterteil an eines der zarten Ästchen und legt ein einziges hellgelbes Ei ab. Danach flattert er ohne Umschweife weiter zum nächsten Fenchel bis die ganze Reihe durch ist. Ab und zu legt er auch zwei oder drei Eier pro Pflanze.
Der Schwalbenschwanz geht dabei offenbar mit System vor. Als ich meine 12 Fenchel genauer untersuchte, stellte ich fest, dass einige Wochen zuvor bereits ein anderer Schwalbenschwanz seine Eier auf ihm abgelegt hatte. Sie waren schon weiter entwickelt, was sich an ihrer braunen Farbe zeigte. Ich habe die alten Eier (von einem Schwalbenschwanz, der Mitte Mai ablegte) und die neuen (Ende Mai) auf jeder Pflanze gezählt und sie in diese Tabelle eingetragen:


Ende Mai 1 2 2 0 0 1 2 0 5 0 1 1
Mitte Mai 2 0 0 1 1 1 0 0 0 0 1 0


Fragestellung für einen Biologen: Beeinflussen die Eier des Vorgängers (untere Zeile), wo der folgende Schwalbenschwanz (obere Zeile) seine Eier ablegt? Lässt sich das statistisch nachweisen?

Es scheint, als würde der zweite Schwalbenschwanz seine Eier vor allem auf den Pflanzen ablegen, auf denen es noch kein anderer getan hat. Für das Wohlergehen der Raupen ist ein solches Vorgehen sinnvoll. Denn wenn alle Eier auf derselben Pflanze sind, werden später die vielen Raupen ihren Fenchel schneller auffressen als neue Blätter nachwachsen. In der Folge verhungern die Raupen oder sie müssen zu Fuss eine neue Futterquelle suchen. Durch die intelligente Verteilung ihrer Eier beugen die Schwalbenschwänze diesem Szenario vor. Wie sie die Anzahl Eier auf einem Fenchel wahrnehmen, ist mir allerdings ein Rätsel. Es kommen dafür nur die Augen oder die Antennen in Frage.

Donnerstag, 14. März 2013

Für die kleinen Gartengestalter

Kleine Kinder schaffen mit Sand neue Lebensräume.

Wildbienen, Schmetterlinge und Eidechsen dürfen sich glücklich schätzen. In den letzten Jahren hat die Gartenindustrie die Umsetzung eines naturnahen Gartens zum Kinderspiel gemacht. Vom fixfertigen Wildbienenhäuschen, zur Wildblumenmischung bis zur Trockensteinmauer sind heute die meisten Elemente auf dem Baumarkt oder per Auftrag beim Gartengestalter erhältlich. Die Renaturierung eines englischen Rasen kostet natürlich eine rechte Stange Geld.
Doch auch mit kleinem Budget kann man für Wildbienen und andere Insekten etwas Gutes tun. Folgende Zutaten werden benötigt: ein dreijähriges Kind und einen grossen Sandkasten. Letzterer sollte möglichst zentral im Garten aufgestellt werden und mit ein bis zwei Tonnen Sand gefüllt sein. Weitere Massnahmen sind nicht erforderlich. Dem Kind muss es lediglich gestattet sein, pro Tag mindestens eine Stunde im Sandkasten zu spielen.
Den Sand am besten gleich per Lastwagen kommen lassen.
Hier im Bild: 2 Tonnen. 

Nach einigen Wochen lässt sich folgender Prozess beobachten: Die Menge des Sandes im Kasten nimmt merklich ab und die Menge des Sandes auf dem Rasen nimmt zu. Greifen Sie auf keinen Fall in das Geschehen ein. Denn mit der Zeit entsteht auf dem Rasen ein Flickenteppich aus verschieden dicken Sandflächen. Viele Insekten wie Grabwespen, Sandbienen oder Ameisenlöwen sind auf einen solchen Lebensraum angewiesen. Mit einem Sandkasten ist die Renaturierung ein echtes Kinderspiel.

Mittwoch, 8. August 2012

Streifen der Unschuld

Die Fleischfliege sieht harmlos aus, sie kann jedoch
Krankheiten übertragen und ihre Maden fressen Kaninchen
bei lebendigem Leib.
Manche Tiere des Gartens werden mit einer geradezu positiven Ausstrahlung geboren, obwohl ihre Taten allseits gefürchtet sind. Zu ihnen gehören die «Zebrafliegen». Sie sind häufige Besucher auf nektarreichen Blüten, wo sie sich ganz unschuldig am Zuckersaft laben. Ihre schwarzen Längsstreifen auf dem Rücken haben ihnen ihren Spitznamen eingebracht, unter dem sie in Fotografie-Gemeinden auch gehandelt werden. Doch statt mit einem Zebra haben sie mehr mit einem Löwen gemein.
Die korrekte Bezeichnung für sie lautet «Fleischfliegen». Ihre Maden ernähren sich ausschliesslich von eiweissreichem Futter wie Fleisch, Käse, Fisch oder Kot. Mit Hilfe eines abgesonderten Enzyms verflüssigt die Made das Eiweiss und braucht es danach nur noch aufzulecken.
Das Enzym ist so potent, dass sie damit auch das Gewebe noch lebender Tiere angreifen können. Manche Fliegen legen ihre Eier beispielsweise direkt auf einem Kaninchen ab. Kurz darauf schlüpfen sie und bohren sich in nur vier Stunden durch die Haut ihres armen Opfers. Im Körper stellen sie Giftstoffe her, die das Kaninchen in einen Schockzustand versetzen und letztendlich umbringen.
Aber auch uns Menschen können diese Insekten gefährlich werden. Wenn die Fliegen aus ihren Kokons schlüpfen, kommen sie unweigerlich mit den Bakterien des Kadavers in Kontakt. Diese reisen nun als blinde Passagiere in unser Wohnzimmer oder unsere Küche, wo sie ihre gefährliche Fracht auf Esswaren abladen. Auf diese Weise breiten sich unter unhygienischen Bedingungen Infektionskrankheiten aus.

Freitag, 27. Juli 2012

Die Senfölbombe

Die Blüten der Kapuzinerkresse enfachen im Mund...
Eines der interessantesten Geschmackserlebnisse im Garten bieten derzeit die Blüten der Kapuzinerkresse. Wer sie als ganzes isst, erlebt ein wahres Orchester auf Zunge und Gaumen. Es beginnt ganz leise. Die papierartige Oberfläche der Blüten saugt den Speichel auf, als ob das Orchester inne anhalten würde. Alle Geigen schweigen. Die ersten beiden Kaubewegungen geben den Takt and und dann ergiesst sich eine wunderbar sanfte Süsse in den Mundraum. Die Nektardrüsen sind ausgelaufen. Die Zuckermenge ist jedoch sehr klein und darum verschwindet der süsse Ton gleich wieder.
Für einen winzigen Augenblick herrscht erneut absolute Stille – und dann bricht aus dem Nichts ein heisser Sturm über die Zunge herein. Nun tobt das Orchester, als ob es den «Ritt der Walküren» gleichzeitig vorwärts und rückwärts spielen würde. Das Feuer brennt in jedem Winkel und nach ein paar weiteren Kaubewegungen erreicht es den Eingang zu den Nasenhöhlen. Eine Katastrophe droht, doch in letzter Sekunde bereitet eine unwillkürlich eintretende Schluckbewegung dem ganzen Spektakel ein Ende. Zurück bleibt ein wohliges Brennen, wie nach einem Menthol-Bonbon.
...ein wahres Feuerwerk an Geschmacksempfindungen.
Was wir als Gaumenfreude betrachten, ist für die Kapuzinerkresse bitterer Ernst. Die Schärfe rührt von einem genialen Abwehrsystem her. Mit ihm wollen die Pflanzen verhindern, dass sie von Raupen, Heuschrecken, Pilzen oder anderen Fressfeinden verzehrt werden. Es ist eine chemische Verteidigung, die für uns Menschen allerdings viel zu schwach ist.
Ihr Grundprinzip funktioniert so: In den Zellen der Blüten, des Stengels und der Blätter befinden sich zwei Chemikalien, die Myrosinase und das Glucosinolat. Letzteres ist eine Art kastrierter Kampfstoff. Es fehlen ihm einige Wasserstoffatome. Die sind jedoch so wichtig, dass das Glucosinolat für sich alleine vollkommen harmlos ist. Erst die Myrosinase, ein Enzym, macht es gefährlich, denn es kann ihm die Wasserstoffatome einverleiben.
Zu Friedenszeiten werden beide Chemikalien in getrennten Behältern gelagert und kommen niemals miteinander in Berührung. Sobald jedoch ein paar Zähne oder Mandibeln die Zellen auseinanderreissen, platzen die Behälter und die chemische Reaktion nimmt ihren Lauf. In wenigen Sekunden verwandelt sich das Glucosinolat mit Hilfe der Myrosinase in Senföl. Es ist der allseits bekannte Scharfmacher von Senf, Radieschen, Meerrettich, Wasabi und den verschiedenen Kressearten. Ihr System der Kampfstoffproduktion ist so einzigartig, dass die Forscher es mit einem eigenen Namen beehrt haben: die «Senfölbombe».

Mittwoch, 30. Mai 2012

Ersatzspieler

Die Raupen des Kleinen Fuchses besitzen einen
tödlichen Appetit.
Brennesseln sind von allen Gartenpflanzen am schwersten bewaffnet. Jeder Quadratzentimeter von ihnen ist mit Dutzenden von Brennhaaren bewachsen, aus denen sie bei der kleinsten Berührung Ameisensäure versprühen. Die Raupen des Kleinen Fuchses stört das jedoch nicht im Geringsten. Sie fressen sich gerade munter quer durch die sattgrünen Blätter. Dabei nagen sie jedes einzelne von ihnen fein säuberlich bis auf den Stiel ab. Für die Brennessel ist das so, wie wenn ihr jemand den Strom abstellen würde, denn die Blätter stellen die Energiefabriken der Pflanzen dar. Doch so leicht gibt sie nicht klein bei. Sie wird schon seit vielen hunderttausend Jahren von Frassinsekten traktiert und hat inzwischen dazugelernt. Während ihres Wachstums legt sie jedes Blatt gleich mehrmals an. Aus jedem Stielansatz spriessen bereits zu Friedenszeiten winzige Blättchen. Sie sind eine Art Ersatzspieler. Unter normalen Bedingungen, wenn die Brennessel nicht angeknabbert wird, bleiben sie klein und unscheinbar. Sobald jedoch jemand die Hauptblätter durchlöchert, beginnen sie zu wachsen.
Sie können die ganze Pflanze
kahl fressen. Doch der Brennessel
macht das Dank ihren Stammzellen
nichts aus.
Allerdings hilft das wenig gegen den tödlichen Appetit der Schmetterlingsraupen. Diese fressen im Nu auch die Ersatzblätter kahl bis von der Brennessel nur noch ein Skelett aus Stängeln übrig bleibt. Was tut die nackte Pflanze? Sie ruft den Ersatz des Ersatzes auf den Plan und lässt neue Blätter spriessen. Das kann sie beliebig oft wiederholen, so lange bis sich die Raupen verpuppen und keine Gefahr mehr darstellen. Das Geheimnis der unverwüstlichen Brennesseln liegt am Ansatz des Blattstiels. Dort befinden sich pflanzliche Stammzellen, das so genannte Meristem. Es ist unsterblich und kann nach Belieben alle möglichen Pflanzenteile immer wieder reproduzieren. Es ist ihr persönlicher Jungbrunnen, mit dem sie auch die schlimmsten Plagen übersteht.

Montag, 7. Mai 2012

Das Schweigen der Küken


Jetzt betteln die Jungen bereits, obwohl sie den Altvogel
noch gar nicht erblickt haben. Reagieren sie auf die
Kratzgeräusche der scharfen Kleiber-Krallen?
In meinem Garten brütet ein Kleiber-Pärchen. Es hat alle Schnäbel voll zu tun mit dem Heranschaffen von Käferlarven und Raupen. Alle paar Minuten landet ein Elternteil auf dem Baumstamm, hüpft dann auf das Dach des Nistkastens und huscht dann flink durch das Loch zu den Küken hinein. Einige Sekunden später ist das Futter verteilt und der Kleiber schiesst nach einigen kurzen Kontrollblicken pfeilschnell aus dem Häuschen heraus.
Während der ganzen Aktion geben sich die Küken keineswegs als passive Zuschauer. Sobald ein Altvogel auf dem Dach des Häuschens landet, lassen sie eine Salve von Bettelrufen los. Das erregte Piepsen hört erst wieder auf, nachdem die Schnäbel gestopft sind und die Mutter oder der Vater längst wieder auf dem Beschaffungsflug sind.
Das Ziel der Bettelrufe ist ein sehr egoistisches. Die Eltern füttern am eifrigsten bettelnde Junge zuerst. Eine laute Klappe zu haben ist also für einen Jungvogel überlebenswichtig. Aber es ist auch gefährlich. Wenn nämlich ein Marder oder eine Katze am Nistkasten kratzt, können verräterische Bettelrufe das Schicksal einer ganzen Brut besiegeln. Darum betteln die Jungvögel nur dann, wenn sie die typischen Laute ihrer Eltern wahrnehmen. Was das allerdings bei Kleibern sein könnte, ist mir ein Rätsel. Denn die Eltern verrichten ihre Arbeit ohne je einen Pieps von sich zu geben.
Nach einigen Sekunden guckt er kurz kritisch in die Runde,
dann schiesst er davon, um neue Käferlarven heranzuschaffen.
Vielleicht reagieren sie auf die Vibrationen der flatternden Flügel? Ich mache einen Test und lege mein auf stumm geschaltetes Handy auf das Dach und rufe mit einem zweiten Handy darauf an. Es vibriert, aber die jungen Kleiber im Nest sind mucksmäuschenstill. Reagieren sie etwa auf die Kratzgeräusche der Krallen ihrer Eltern? Ich ziehe meine Fingernägel vorsichtig über das Dach. Keine Reaktion. Die Jungvögel lassen sich nicht täuschen. Offenbar hat sich im Laufe der Evolution eine Art Geheimsprache zwischen Eltern und Jungen entwickelt. Dass ich und vor allem der Marder sie nicht entschlüsseln können, sichert ihnen das Überleben.

Montag, 27. Februar 2012

Bienen Jubiläum

Die älteste Bienen-Mumie der Welt ist
luftdicht in Bernstein eingeschlossen.
In diesem Jahr feiert die Natur ein besonderes Jubiläum. Es ist genau 100 Millionen Jahre her, seit Pflanzen zum ersten Mal durch Bienen bestäubt wurden. Die Zeitspanne bezieht sich auf das Alter einer in Bernstein eingeschlossenen Biene aus Burma (Myanmar). Sie ist die älteste Bienen-Mumie der Erde.
Ihr Name lautet Melittosphex burmensis. Eine volkstümliche Bezeichnung hat sie leider nicht. Das Besondere an ihr ist, dass sie in der Evolution genau zwischen ihren Vorfahren, den fleischfressenden Wespen, und den heutigen vollkommen vegetarisch lebenden Bienen steht.
In gewisser Weise haben diese Insekten die umgekehrte Evolution von uns Menschen durchgemacht. Während wir im Laufe der Zeit unsere Körperbehaarung abgelegt haben, nahm diejenige der Bienen immer mehr zu. Im Gegensatz zu den Wespen hatte Melittosphex burmensis bereits stark behaarte Beine und ihr ganzer Körper einschliesslich Kopf bedeckte ein feiner Flaum.
Die Haare waren eine Schlüsselerfindung. Denn nur mit ihnen können Insekten Pollen in grossen Mengen von den Blüten abwischen und zum Nest transportieren. Mit einem nackten Körper geht das nicht, weil so den Pollenkörnern die Haftung fehlt.
Die Anfänge der Bienen waren sehr zaghaft. Melittosphex burmensis war nur knapp drei Millimeter lang. Das ist ein Winzling verglichen mit einer modernen Honigbiene oder einer Hummel.
Nichtsdestotrotz waren die Pflanzen bereits damals sehr abhängig von den bestäubenden Insekten. Das zeigt sich in der Grösse ihrer Blüten. Die Pflanzen passten sie den winzigen Bienen an und so betrug die durchschnittliche Blumengrösse damals nur 0,5 bis 3 Millimeter.

Sonntag, 13. November 2011

Durch die Nase sehen

Da wartet sie geduldig bis Hefepilze die Traube aufzufressen
beginnen. Erst dann legt sie ihre Eier ab.
Die Stubenfliegenplage ist vorbei. Dafür suchen uns jetzt ihre kleineren Verwandten heim. Ein Dutzend der winzigen Fruchtfliegen belagert meine Trauben und sobald ich eine Banane anschneide, missbrauchen sie die klebrige Fläche als Landebahn.
Das machen sie natürlich nicht aus Spass. Sie haben etwas ganz anderes im Sinn: fressen und Eier legen. Ihr Nachwuchs ernährt sich bevorzugt von Mikroorganismen wie Bakterien oder Hefepilzen. Sie kommen in grossen Mengen in verrottendem Obst vor. Darum sind die erwachsenen Tiere stets auf der Suche nach möglichst überreifen Früchten. Eine liegengelassene Traube oder eine angeschnittene Banane auf dem Fensterbrett kommt ihnen da gerade recht.
Auch wenn sie zur Decke starrt, weiss sie
genau, was ich mache. Ihre Nase sagt
ihr, dass ich gerade einen
Apfel aufschneide.

Egal in welcher dunklen Ecke der Wohnung das vergessene Stückchen Obst vor sich hin fault, die Fruchtfliegen finden zielsicher zu ihm. Das liegt an ihrer feinen Nase. Genau zwischen ihren Augen liegen ein Paar stummelförmige Antennen. Sie sind gespickt mit Geruchsrezeptoren. Jeder Rezeptor ist auf eine bestimmte Klasse von Geruchsmolekülen geeicht, so wie ein Schloss nur zu einem bestimmten Schlüssel passt.
Jedes Mal wenn das richtige Molekül andockt, sendet der Rezeptor einen elektrischen Impuls aus. Er wandert innert Bruchteilen einer Sekunde zum winzigen Fliegenhirn. Dieses wandelt das Signal in Bilder um: frische Banane, verfaulende Banane, drei-Tage-alte Traube, ein paarungsbereites Weibchen.   
Diese Umwandlung von elektrischem Reiz in Bilder vollzieht sich so schnell, dass die Fruchtfliege sogar im Flug laufend neue Gerüche «sieht». Wenn plötzlich etwas Interessantes in der Luft liegt, braucht sie nur eine Kursänderung vorzunehmen und schon steuert sie auf das Apfelstückchen unter dem Sofa zu.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Die Ödipus-Wespe

Dass sich die Mauerbienen so gut eingemauert haben, nützt
ihnen wenig. Die Erzwespe kaut sich einen Weg zu
ihnen durch.
Die besten Geschichten schreibt nicht Shakespeare oder ein Dichter des Alten Griechenlands. Nein, es ist die Natur selbst. Eines dieser wandelnden Dramen ist kürzlich bei meinem Wildbienenghetto aufgetaucht. Es ist die Erzwespe Melittobia acasta. Sie ist nur ein paar Millimeter gross. Gleich mehrere Weibchen haben sich auf den zugemauerten Eingängen zu den Nestern der Roten Mauerbiene versammelt.
Sie haben es auf die Puppen abgesehen, die in den Nestern auf den Frühling warten. So wie es aussieht, werden diese den Frühling jedoch nicht mehr erleben. Die Erzwespen haben extrem starke Mandibeln, mit denen sie sich sogar durch Plastik nagen können. Es wird ein leichtes für sie sein, einen Gang durch das Mauerwerk zu fressen und an die Puppen zu gelangen.
Dort angekommen werden sie mit ihrem Stachel ihr Opfer punktieren. Am austretenden Blut laben sie sich. So gestärkt, beginnen sie nun mit dem Legen der Eier. Diese sind äusserst klebrig und bleiben auf der Puppe wie feuchte Bonbons haften.
Ausserdem sind die Eier alle unbefruchtet. Das heisst, aus ihnen schlüpfen ausschliesslich männliche Larven. Sie ernähren sich von der Puppe bis sie ausgewachsen sind und sich selbst in einen Kokon hüllen. Während der ganzen Zeit wacht die Mutter neben ihrer Brut. Sobald die fertigen Männchen aus ihren Kokons schlüpfen, tragen sie erbitterte Kämpfe untereinander aus. Um wen wird hier gestritten? Um die Mutter. Denn der stärkste ihrer Söhne darf sich mit ihr paaren.
Nun besitzt sie einen der begehrtesten Stoffe in der Natur: Sperma. Mit ihm kann sie nun endlich befruchtete Eier legen. Aus ihnen schlüpfen ausschliesslich Weibchen. Sie krabbeln wieder ans Tageslicht und schwärmen aus auf der Suche nach einem neuen Opfer.

Sonntag, 18. September 2011

Sozialer Egoismus

Eine Gallische Feldwespe schaut unter einem Ziegel hervor.
Ihr Verhalten könnte erklären, warum es staatenbildende
Insekten gibt.
Wespen und Honigbienen haben eines gemeinsam: beide leben in einem sozialen Superstaat, in dem es allein der Königin vorbehalten ist, Eier zu legen. Alle anderen kümmern sich nur um die Aufzucht ihrer Herrscherin, ohne selbst jemals die Freude des Mutterwerdens erleben zu dürfen.
Es ist ein ungelöstes Rätsel, wie diese «dummen» Insekten es geschafft haben, ihre eigenen Urtriebe zu bändigen und ohne Murren für das Wohl des Ganzen zu arbeiten. Forscher aus der ganzen Welt richten ihren Blick zurzeit auf die Gallische Feldwespe (Polistes dominula), die ein regelmässiger Gast in unseren Gärten ist. In ihrem Verhalten zeigt sich, was soziale Insekten überhaupt erst sozial macht. Die Antwort: Egoismus in Reinkultur.
Die Gallische Feldwespe ist das evolutionäre Bindeglied zwischen den als Einsiedlerinnen lebenden Insekten, wie beispielsweise die Mauerbiene, und den sozialen Insekten wie Honigbiene oder Gemeine Wespe. Mehrere befruchtete Weibchen zusammen bauen gemeinsam an einem Nest. Jeweils die stärkste von ihnen übernimmt die Rolle der Königin. Sie allein legt Eier in die Waben und die anderen Weibchen helfen ihr bei der Aufzucht.
Das geht so lange gut, bis die amtierende Königin herausgefordert wird. Verliert sie den Kampf, muss sie ihre Krone abgeben und fortan ein Leben als einfache Arbeiterin fristen. Die neue Königin hat nun das Privileg, als einzige Eier zu legen, bis sie wiederum von einem anderen Weibchen abgelöst wird. Was diese Insekten also zusammen hält, ist nicht das gemeinsame Ziel, sondern die egoistische Aussicht auf die Krone – die Hoffung einmal im Leben ganz oben stehen zu können.
Und je egoistischer ein Weibchen zu Werke geht, desto eher erreicht es dieses Ziel. Denn die besten Chancen haben diejenigen Weibchen, die im Frühling erst einmal faulenzen und gar nichts tun. Das spart viel Mühe und schont die eigenen Energiereserven.
Etwas später im Jahr lassen sich diese kraftstrotzenden Spätsünderinnen von einem Staat aufnehmen. Dort spielen sie für einige Zeit die «brave Arbeiterin». Das machen sie so lange, bis sie sich genug Fett angefressen haben und ihre Eierstöcke bereit zur Eiablage sind. Auf dem Höhepunkt ihrer körperlichen Stärke schlagen sie zu und übernehmen das ganze Nest. So egoistisch ist der Beginn des Sozialstaats.

Donnerstag, 1. September 2011

De Foifer und s'Wäspi

Auf dem Bild sieht man 21 Münzen. Wo ist die 22.?
So viele Wespen wie es gibt, so viele Mythen gibt es über sie. Die meisten von ihnen handeln davon, wie man diese Insekten loswird. Meine Lieblings-Theorie ist folgende: Legt man kupferhaltige Münzen auf den Tisch, nehmen die Wespen Reissaus. Auf dem Internet findet man dazu verschiedene Erklärungen. Eine besagt etwa, dass die Wespen durch das Kupfer geblendet werden und so die Orientierung verlieren. Eine andere, dass sich das Kupfer in der Sonne erwärmt und dadurch unangenehm für die Wespen zu riechen beginnt.
Ich mache also einen Test. Auf den Gartentisch lege ich 22 Fünfrappenstücke. Sie bestehen zu 92 Prozent aus Kupfer. In die Mitte kommt ein Schnapsglas voll mit süssem Apfelsaft und eine halbe Zwetschge. Die Sonne scheint. Ich warte. Nach wenigen Minuten brummt schon die erste Wespe heran. Einige Schleifen später, lässt sie sich auf dem Rand des Glases nieder und streckt ihren Kopf der zuckerhaltigen Flüssigkeit entgegen.
Bereits jetzt scheint das Resultat eindeutig zu sein. Doch um ganz sicher zu gehen, lasse ich den Dingen für eine Weile ihren Lauf. Als ich nach zwei Stunden wieder vorbeischaue, schwimmen drei tote Wespen im Apfelsaft und eine weitere ist gerade dabei, sich den Magen vollzuschlagen. Als sie abfliegt, kommt auch schon die nächste herbei und als diese zum bersten gefüllt davonschwirrt, ist wieder eine neue zur Stelle. So steht das Glas fast nie allein.
Fazit: Selbst 22 Fünfrappenstücke setzen der Gier der Wespen nach Zucker nichts entgegen. Obwohl das keine wissenschaftliche Studie ist (die macht vielleicht irgendwann mal eine Uni), kann man die Mär von den Kupfermünzen wohl mit gutem Gewissen unter «Irrtümer aus dem Insektenreich» ablegen.
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