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Dienstag, 30. Juni 2015

Die Bienenweide des faulen Gärtners

Der Weissklee wertet jeden Rasen auf. Ganz von selbst.
Oh ja. Endlich zahlt sich Faulheit einmal aus. Landauf landab wurde in den letzten Wochen Rasen gemäht. Nun scheint sich eine gewisse Erschöpfung einzustellen. Die Grünflächen sind nicht mehr ganz so kurz geschoren. Als wunderbares Resultat dieses Nichtstuns haben sich die Rasen in Bienenweiden verwandelt. Der Weissklee produziert innert Wochenfrist neue Blüten. Mancher Fussballplatz und in mancher Vorgarten sieht aus wie ein einziges blühendes Kleefeld. Honigbienen und Hummeln lieben das.
Wer also ohne grosse Anstrengung für Bienen etwas Gutes tun will, der mäht seinen Rasen nur alle zwei bis drei Wochen. Auf diese Weise wird aus der grünen Wüste eine Nektarstation für Bienen. 

Freitag, 7. März 2014

Pool-Bienen

Die Zwergbuschbiene an der zuverlässigsten
Tränke Thailands: der Pool.
In der Trockenzeit von Oktober bis Mai sinkt der Grundwasserspiegel in Thailand dramatisch ab. Es regnet Wochen- oder Monatelang kein einziges Mal. Oberflächengewässer wie Tümpel, Strassengräben, Bäche und kleine Flüsse verpuffen in der sengenden Hitze. Für die Zwergbuschbiene (Apis andreniformis), die kleinste Honigbiene der Welt, bedeutet das Stress. Sie arbeiten 365 Tage im Jahr und sind auf eine zuverlässige Wasserversorgung angewiesen. Sie müssen in einer wasserlosen Landschaft eine Tränke finden.
In den Ritzen zwischen den aufgemauerten
Kieseln sammelt sich gerade die richtige
Menge Wasser.
Zum Glück für sie gibt es den Tourismus und seine Nebenerscheinungen. Eine davon sind die landesweiten Hotelanlagen, wie etwa das Krabi Resort, in dem wir eingecheckt haben. Das Herzstück jedes Resorts ist der Pool. Für uns Menschen bedeutet er reines Vergnügen. Doch für die Bienen ist er eine Lebensversicherung – ein riesiges Reservoir an nie versiegendem Frischwasser.
An der Randzone, wo das Wasser gerade noch so hinschwappt, starten und landen die Bienen im Minutentakt. Ihr Tankstopp dauert etwa eine halbe Minute, dann schwirren sie wieder davon.
Zuweilen versammeln sich ganze Schwärme an den Poolrändern. Für Touristen ohne Gartenerfahrung sieht das so aus, als ob es hier ein Bienennest geben würde. Doch das ist ein Trugschluss. Es ist die Macht des Durstes, der die Bienen in grosser Zahl zum Wasser treibt.
Bis der Durst gestillt ist, dauert es eine
halbe Minute.
Verwunderlich ist, dass sie das Wasser trinken, obwohl es mit Chlor versetzt ist. Ob es den Bienen schadet, kann ich nicht sagen. Doch die Chlormenge in thailändischen Pools ist offenbar nicht so gross wie bei uns in der Schweiz. Das zeigt sich daran, dass die Poolränder oft mit einem grünen Teppich aus Algen bewachsen sind. Wenn die Algen das Wasser überleben, dann vielleicht auch die Bienen.





Dann geht es auf zur
nächsten Blüte.

Donnerstag, 14. März 2013

Für die kleinen Gartengestalter

Kleine Kinder schaffen mit Sand neue Lebensräume.

Wildbienen, Schmetterlinge und Eidechsen dürfen sich glücklich schätzen. In den letzten Jahren hat die Gartenindustrie die Umsetzung eines naturnahen Gartens zum Kinderspiel gemacht. Vom fixfertigen Wildbienenhäuschen, zur Wildblumenmischung bis zur Trockensteinmauer sind heute die meisten Elemente auf dem Baumarkt oder per Auftrag beim Gartengestalter erhältlich. Die Renaturierung eines englischen Rasen kostet natürlich eine rechte Stange Geld.
Doch auch mit kleinem Budget kann man für Wildbienen und andere Insekten etwas Gutes tun. Folgende Zutaten werden benötigt: ein dreijähriges Kind und einen grossen Sandkasten. Letzterer sollte möglichst zentral im Garten aufgestellt werden und mit ein bis zwei Tonnen Sand gefüllt sein. Weitere Massnahmen sind nicht erforderlich. Dem Kind muss es lediglich gestattet sein, pro Tag mindestens eine Stunde im Sandkasten zu spielen.
Den Sand am besten gleich per Lastwagen kommen lassen.
Hier im Bild: 2 Tonnen. 

Nach einigen Wochen lässt sich folgender Prozess beobachten: Die Menge des Sandes im Kasten nimmt merklich ab und die Menge des Sandes auf dem Rasen nimmt zu. Greifen Sie auf keinen Fall in das Geschehen ein. Denn mit der Zeit entsteht auf dem Rasen ein Flickenteppich aus verschieden dicken Sandflächen. Viele Insekten wie Grabwespen, Sandbienen oder Ameisenlöwen sind auf einen solchen Lebensraum angewiesen. Mit einem Sandkasten ist die Renaturierung ein echtes Kinderspiel.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Geruchlose Schönheit

Die Blüte der Strelizie ist für Vögel gebaut. Sie bietet ihnen
sogar eine Sitzgelegenheit.
Nach fünf Jahren blüht meine Strelizie endlich. Sie benötigte für die Entwicklung ihrer beiden Blüten fast ein Jahr. Das liegt wohl an den nicht so mediterranen Temperaturen des Zürcher Oberlandes. «Blüte» ist wohl nicht der geeignete Ausdruck. Was sich da entfaltet hat, gleicht mehr einem phantasievollen Plastik aus der Werkstätte eines Kunststudenten. Da vermischen sich Rot- und Blautöne miteinander als hätte jemand Gletschereis in einen Bottich mit flüssigem Eisen fallen lassen.
Doch der Schein trügt. Die Strelizie hatte nicht Kunst im Sinn als sie ihre Blüten über Jahrmillionen in diese eigentümliche Form brachte, sondern Sex. Als Liebesboten hat die Südländerin anders als die meisten mitteleuropäischen Pflanzen keine Insekten angestellt, sondern Vögel. Die sind in vielerlei Hinsicht verlässlicher als Hummeln oder Bienen, denn sie verrichten ihre Arbeit auch bei Regenwetter oder Kälte.
Damit jedoch eine Blüte überhaupt von einem Vogel besucht werden kann, muss sie einige Modifikationen vornehmen. Da gibt es zum Beispiel das Problem der Stabilität. Vögel sind mehrere hundert Gramm schwer. Wenn so ein Brummer landet, darf der Blütenstängel nicht gleich einknicken. Diese Gefahr besteht bei der Strelizie nicht. Ihre Blüte ruht auf einem dicken und zugleich flexiblen Stängel, der am oberen Ende einen nahezu rechten Winkel vollführt – ein idealer Landeplatz für einen Vogel.
Damit sich ausschliesslich Vögel und keine Insekten an ihrem Nektar gütlich tun, kleidet sie sich bevorzugt in rote Farben ein. Vögel sehen Farben im Wellenlängenbereich von 300 bis 660 Nanometer also von blau bis rot. Das Spektrum der Bienen hingegen reicht nur bis 550 Nanometer (gelblich-grün). Mit roten oder orangen Petalblättern lockt die Sterlizie also ausschliesslich Vögel an, nicht aber Insekten, die ihr den Nektar stibitzen könnten, ohne dafür Pollen zu übertragen.
Es gibt eine Sache, die eine vogelbestäubte Blüte nicht braucht: Duft. Vögel haben äusserst schlechte Nasen. Das heisst, jegliche Form von Parfüm ist vergebliche Liebesmühe. Die Strelizie weiss das, denn sie riecht nach absolut nichts.

Montag, 27. Februar 2012

Bienen Jubiläum

Die älteste Bienen-Mumie der Welt ist
luftdicht in Bernstein eingeschlossen.
In diesem Jahr feiert die Natur ein besonderes Jubiläum. Es ist genau 100 Millionen Jahre her, seit Pflanzen zum ersten Mal durch Bienen bestäubt wurden. Die Zeitspanne bezieht sich auf das Alter einer in Bernstein eingeschlossenen Biene aus Burma (Myanmar). Sie ist die älteste Bienen-Mumie der Erde.
Ihr Name lautet Melittosphex burmensis. Eine volkstümliche Bezeichnung hat sie leider nicht. Das Besondere an ihr ist, dass sie in der Evolution genau zwischen ihren Vorfahren, den fleischfressenden Wespen, und den heutigen vollkommen vegetarisch lebenden Bienen steht.
In gewisser Weise haben diese Insekten die umgekehrte Evolution von uns Menschen durchgemacht. Während wir im Laufe der Zeit unsere Körperbehaarung abgelegt haben, nahm diejenige der Bienen immer mehr zu. Im Gegensatz zu den Wespen hatte Melittosphex burmensis bereits stark behaarte Beine und ihr ganzer Körper einschliesslich Kopf bedeckte ein feiner Flaum.
Die Haare waren eine Schlüsselerfindung. Denn nur mit ihnen können Insekten Pollen in grossen Mengen von den Blüten abwischen und zum Nest transportieren. Mit einem nackten Körper geht das nicht, weil so den Pollenkörnern die Haftung fehlt.
Die Anfänge der Bienen waren sehr zaghaft. Melittosphex burmensis war nur knapp drei Millimeter lang. Das ist ein Winzling verglichen mit einer modernen Honigbiene oder einer Hummel.
Nichtsdestotrotz waren die Pflanzen bereits damals sehr abhängig von den bestäubenden Insekten. Das zeigt sich in der Grösse ihrer Blüten. Die Pflanzen passten sie den winzigen Bienen an und so betrug die durchschnittliche Blumengrösse damals nur 0,5 bis 3 Millimeter.
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