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Dienstag, 16. Juni 2015

Nachhaltiger Holzabbau

Eigenartige Spuren auf dem Lattenzaun.

Kürzlich war ich auf Besuch bei einem Freund. Er liebt die Gartenarbeit und hat vor einiger Zeit einen Lattenzaun aus unbehandelten Brettern gebaut. Auf ihnen fand ich seltsame Spuren. Sie erinnerten mich an die Frassspuren von Schnecken. Mit Frassspuren lag ich schon mal richtig. Aber es war ein ganz anderes Tier, das sich hier gütlich tat.
Nach einer Weile tauchte es schliesslich auf. Es war eine Wespe. Sie nagte die oberste Schicht des Holzes ab, vermischte die Fasern mit ihrem Speichel und produzierte eine Art flüssiges Papier daraus. Mit ihm erweiterte sie ihr Nest. Wespen können mit ihren Mandibeln diesen Brei tatsächlich zu Papier verarbeiten. Mit ihren Mandibeln und ihrer Zunge gehen sie so geschickt mit diesem Baumaterial um, dass es am Ende eine runde Wand von weniger als einem Millimeter Dicke entsteht.
Bei der Beschaffung des Rohmaterials sind Wespen nicht zimperlich. Sie nagen auch Telefonmasten an, obwohl diese mit Imprägniermittel behandelt sind. Die Insekten produzieren jedoch keine Löcher, sondern nagen immer nur die oberste Schicht ab. Dabei bewegen sie sich immer leicht vorwärts, was zur Bildung dieser hellen Bahnen führt. Auch wenn der Zaun oder der Telefonmast nicht nachwächst, so lässt sich diese sparsame und schonende Form des Holzabbaus wohl als nachhaltig bezeichnen.
Die Verursacherin ist eine Wespe.

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