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Donnerstag, 14. Januar 2010

Noahs Wanze

Die Verkehrstechnologie macht es möglich:
Ich begegne der Amerikansichen Zapfenwanze.
Noah ist der ungekrönte Retter der Biodiversität. Mit seiner Arche hat er alle Landtierarten davor bewahrt, in der grossen Flut zu ertrinken. Es muss ihm viel Mühe gekostet haben auf allen Kontinenten der Erde, von jeder Tierart ein Paar zu fangen. Wie er es wohl geschafft hat, sich durch den versumpften Amazonasregenwald zu schlagen ohne dabei im Magen einer Anakonda zu enden? Und wie er gefroren haben muss im Hochgebirge des Himalajas auf der Suche nach dem Schneeleoparden. Wir können ihm für seine grosse Tat ewig dankbar sein.
Doch die Geschichte hat einen Haken. Als nämlich die Arche Noah auf dem Berg Ararat strandete, hat es ihr Kapitän versäumt, alle Pärchen wieder an ihren richtigen Platz auf der Welt zurückzubringen. Arten, die vorher Tausenden und Zehntausende von Kilometern weit voneinander entfernt lebten, waren plötzlich die nächsten Nachbarn. Das Reh traf auf das Krokodil und das Meerschweinchen auf den Luchs.
Niemand war auf den anderen vorbereitet. Bald waren die Schwächsten unter ihnen dem unerwarteten Druck der Konkurrenz und den neuen Räubern erlegen und starben aus – eine ökologische Katastrophe. Darüber steht in der Bibel nichts und vielleicht hat es sich ja auch gar nie so zugetragen. Doch heute im 21. Jahrhundert ist Noahs Alptraum wahr geworden.
Wir leben in einer Welt, in der es nicht nur eine, sondern Tausende von Archen gibt. Der internationale Handel hat sie hervorgebracht. Frachtschiffe, die mit Früchten und Gemüse beladen sind, reisen um den ganzen Globus. Sie sind Brücken zwischen den Kontinenten. Über sie strömen neue Schädlinge, Fressfeinde und Nahrungskonkurrenten von einem Ufer zum anderen. Es ist, als würde Gott die Welt mit einem grossen Löffel einmal umrühren. Im entstehenden Eintopf begegnen sich Lebewesen, die sich vorher nie zu Gesicht bekommen hätten.
Zum Beispiel ich und die Amerikanische Zapfenwanze. Sie kündigte sich vor ein paar Tagen mit einem lauten Brummen an. Natürlich vermutete ich sofort, dass das Geräusch von einem Insekt stammen musste, doch als ich das Ding sah, staunte ich nicht schlecht. Da spazierte eine ziemlich grosse Wanze über das Fenster meines Wohnzimmers.
Vielleicht hat sie im Feuerholz überwintert und ist nun aus einer Spalte in den halb vermoderten Scheiten neben dem Kamin gekrochen. Na ja, es hätte ja sein können, dass es schon Frühling ist. Bei den warmen 24 Grad Celsius im Haus... Aber draussen ist es auch jetzt noch viel zu kalt und der Schnee liegt knöcheltief. Deshalb schickte ich die Wanze hinunter zu den Feuersalamandern im Lüftungsschacht des Kellers. Wenn sie sich mit ihnen verträgt, hat sie gute Überlebens-Chancen. Wenn nicht, wird sie eben von den Amphibien gefressen.

Mehr Informationen zur Amerikanischen Zapfenwanze:
Riesenwanze im Anmarsch
insektenbox.de

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