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Montag, 11. Oktober 2010

Die Spitze des Pilzberges

Die meisten Pilze des Gartens kommen
gar nie an die Oberfläche. Stattdessen
verbringen sie ihr ganzen Leben in der
Dunkelheit des Bodens.
Der Herbst hat ein Meer aus Pilzen in den Wald gezaubert und ich muss aufpassen, wo ich auf meinem Spaziergang hintrete. Anders sieht es in meinem Garten aus. Dort sind die Pilze ziemlich dünn gesät. Das heisst, es gibt genau eine kleine Gruppe, die etwa die Fläche eines Bierdeckels einnimmt. Warum dieser frappante Unterschied?
Vielleicht liegt es einfach an unserer Wahrnehmung. Denn was wir gemeinhin als «Pilz» bezeichnen, ist ja genau genommen nur der Fruchtkörper von ihm. Dieser oberirdische Teil ist eine Startrampe für die Sporen, die aus den Lammellen auf der Unterseite der Pilzhüte fallen und so vom nächsten Luftzug erfasst werden. Diese Methode wird jedoch nicht von allen Pilzen verwendet. Vor allem solche, die im Grasland vorkommen, bilden gar nie einen oberirdischen Fruchtkörper. Stattdessen verbringen sie die ganze Zeit ihres Lebens in der Verborgenheit des Bodens.
Das heisst jedoch nicht, dass es in einer Wiese weniger Pilze gibt als im Wald. Nein, das wäre undenkbar. Denn Klee, Gräser und Kräuter sind auf ihre Hilfe angewiesen. Sie sind geradezu überlebenswichtig. Die Pilze durchdringen nämlich mit ihren feinen Fäden den Boden und entziehen ihm feinste Spuren von Nährstoffen, wie zum Beispiel Phosphor. Diesen geben sie an die Wurzeln der Wiesenpflanzen ab. Die Pflanzenwurzeln selbst sind nicht im Stande, sich die Nährstoffe zu beschaffen, weil sie zu dick sind. Nur das mikrofeine Geflecht der Pilze kann das. Auf diese Weise wird es zum geheimen Motor des Graslandes – und des Rasens in meinem Garten.
Die Pflanzen bezahlen den wertvollen Service mit Zucker, den sie während der Photosynthese herstellen. Pilze lieben Zucker und sie sind den Pflanzen dankbar, dass sie dieses für beiden Seiten vorteilhafte Tauschgeschäft eingehen können.

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