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Dienstag, 11. Januar 2011

Und ewig lockt die Orchidee

Die Phalaenopsis vom Baumarkt. «Nimm mich jetzt!» ruft
sie den Menschen im Vorbeigehen zu – und die gehorchen.
Der Baumarkt ist einer der wohltuendsten Orte der zivilisierten Welt. Da gibt es Büchergestelle und Fernsehtische nach Mass zugeschnitten, einen Flirt mit der preisreduzierten Bohrmaschine und an der Kasse warte die Vorfreude auf den Hotdog von der Imbissbude neben dem Ausgang. Gleichzeitig gibt es in Baumärkten etwas Störendes – etwas, das wie ein Dorn im Hinterkopf steckt und auf Heilung wartet. Es ist eine Frage, die ich bei mir unter «grösste Rätsel der Menschheit» abgelegt habe: Woher kommen all die Orchideen?
Wo man hinschaut stapeln sie sich. Phalaenopsis hier, Phalaenopsis dort. Weisse, rosarote, getüpfelte, grosse, kleine – auf dem Weg zur Bohrmaschine winken einem die prächtigen Blüten zuckersüss entgegen und rufen «Kauf mich! Kauf mich! Stell mich in dein Wohnzimmer!». In der Warteschlange an der Kasse darf ich nicht nach links oder rechts schauen, sonst geht das obszöne Geschrei schon wieder los. Interessanterweise können viele Baumarktgänger der Verlockung nicht widerstehen. Und statt sich nur ein kleines Pflänzchen als Souvenir mitzunehmen, packen sie sich gleich drei von der grössten Sorte auf ihren Einkaufswagen.
Pflegetipp: Die Orchideen samt
Übertopf in den Zimmerbrunnen
stellen oder rundherum. Die erhöhte
Luftfeuchtigkeit schafft ein etwas
tropischeres Klima, was die Pflanzen
sehr schätzen.
Das liegt vielleicht am Preis. Denn oft kosten die mittelgrossen Exemplare nur fünf Franken, wie sich am roten Aufkleber mit dem Schriftzug «Aktion» erkennen lässt. Verwunderlich ist, dass anders als bei den Bohrmaschinen der Strom an preisreduzierten Orchideen nie abreisst. Für fünf Franken gibt es immer etwas.
Nun, die Erklärung für das Rätsel im Baumarkt ist, dass Zierpflanzen einen beachtlichen Nutzen für die Volkswirtschaft erbringen. In Deutschland zum Beispiel werden jedes Jahr Zierpflanzen im Wert von 1,6 Milliarden Euros produziert. Für ein paar Geranien und Rosen ist das viel Geld.
Aber was heisst ein paar? Für Orchideen, Sukkulenten und Primeln sind ganze 23 Quadratkilometer Deutscher Boden mit Glas überdacht. Das sind eine Menge Treibhäuser. Aber das reicht bei weitem nicht. Denn alle anderen Zierpflanzen, die es etwas kälter mögen, benötigen zusätzliche 49 Quadratkilometer Land. 
Von dort kommen sie also, die Baumarkt-Schönheiten. Magnolien, Rhododendren, Pfingstrosen und Orchideen warten ungeduldig darauf, dass ein Mensch wie in Trance vor dem farbigen Bouquet in die Knie geht und die Brieftasche zückt. So spült die Vielfalt von Pflanzen Geld in die Kassen der Baumärkte.

1 Kommentar:

  1. Eigentlich schon ein Wahnsinn, wenn man sich das so auf der Zunge zergehen lässt. Vorallem viele der hochgezüchteten Pflanzen überleben zu Hause auch nicht sehr lange und viele stellen überhaupt nur Wegwerfprodukte dar.

    lg kathrin

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