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Montag, 12. Juli 2010

Der Ameisenlöwe

Die Ameise am Grund des Trichters. Das Gift hat ihren
Körper bereits gelähmt. Ihre Organe verflüssigen sich
gerade.
Es geht ganz schnell. Die Blattlaus stolpert über den Rand des Trichters und findet sich im nächsten Augenblick an seinem Grund wieder. Ein gefährlicher Ort, denn nur wenige Millimeter unter ihr im staubtrockenen Erdreich lauert ein gefrässiges Insekt – der Ameisenlöwe. Die Blattlaus scheint so etwas in der Art zu vermuten, rafft sich auf und versucht mit allen Kräften, den äusserst rutschigen Hang hochzukommen. Es ist vergebliche Mühe. Immer wieder fällt sie bis nach ganz unten, immer wieder rutscht die Erde unter ihren Füssen weg. Sie sitzt in der Falle. Ihr einziges Glück ist, dass sie zu klein für den Sandlöwen ist. Er wartet auf grössere Beute.
Ich gebe sie ihm. Von einer nahen Steinplatte nehme ich vorsichtig eine Ameise und werfe sie hinab in den wenige Zentimeter tiefen Trichter. Sogleich strampelt sie wie wild und unterschreibt so ihr Todesurteil. Der Ameisenlöwe erkennt an den heftigen Erschütterungen, dass sein Abendessen eingetroffen ist. Er bewirft die Ameise mit Erde, ohne dabei selbst je aus ihr hervorzukommen. Nach drei Ladungen ist die Ameise bereits mit dem halben Körper eingesunken. Ein stechender Schmerz fährt durch sie. Es ist das Letzte, was sie je spüren wird. Der Ameisenlöwe hat sie gebissen und ihr dabei ein starkes Gift injiziert. Es lähmt sie innert Sekunden.
Der Ameisenlöwe ist die Larve der Ameisenjungfer, eines
libellenartigen Insekts. Man kann ihn mit einem
Kaffeelöffel leicht aus seinem Trichter ausheben, um
ihn sich genauer anzuschauen. Danach baut er sich einen
neuen Trichter.
Um sie zu verspeisen, beisst er nochmals zu und spritzt Verdauungssäfte in sie hinein. Diese verflüssigen ihre inneren Organe. Der Ameisenlöwe kann sein Opfer danach bequem aussaugen. Seiner Beute sicher, zieht er die Ameise jetzt ganz in sein Reich hinab. Sie verschwindet und zurück bleibt nichts als ein leerer Trichter, der bereit für den nächsten unachtsamen Spaziergänger ist.



Mehr über dieses Insekt und seine Lebensweise auf Wikipedia.

Kommentare:

  1. Brutal sowas, ich mag nicht, wenn Tiere sterben...

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  2. Es ist genau diese Brutalität, die sich hinter dem hübschen Wort "Ökosystem" verbirgt. Fressen und gefressen werden. Darum geht es im Leben. Auch bei uns Menschen. Spätestens beim nächsten Einkauf im Supermarkt wieder.

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  3. Ich finde den Ameisenlöwe sehr interessant, vor allen Dingen wie er seine zukünftige Beute mit Sand bewirft, damit seine Beute wieder in den Trichter fällt. Wo hast du diesen entdeckt? Der Ameisenlöwe steht ja unter Naturschutz und ist nicht überall anzutreffen.

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    1. Im Garten unter dem Vordach. Du kannst an einer sonnigen Stelle des Gartens auch einfach etwas Bau- oder Spielsand hinschütten. Das lockt die Ameisenjungfern an.

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