Freitag, 9. März 2012

Vom Nachschub abgeschnitten

Nicht abgefroren, sondern abgetrocknet.
Landauf landab sehen die Kirschlorbeerhecken ziemlich hässlich aus. Viele der Blätter haben sich braun verfärbt und hängen jetzt als dürres Laub hartnäckig an den Büschen. Der Fall scheint klar: die enorme Kälte dieses Winters hat den Blättern den Rest gegeben. Sie sind erfroren.
Aber die Geschichte ist nicht so einfach. Die Kälte hat zwar etwas mit dem Absterben der Blätter zu tun, aber erfroren ist das Laub nicht. Wie keine andere Pflanze versteht es der Kirschlorbeer seine Blätter vor tiefen Temperaturen zu schützen. Dazu pumpt er sie mit verschiedenen Zuckern voll. Sie wirken wie ein Frostschutzmittel und verhindern, dass sich in den Zellen spitze Eiskristalle bilden und diese von innen aufschlitzen.
Das funktioniert auch bei sehr grosser Kälte. Mit solchen Extremen fertig zu werden, ist ein Leichtes für den Kirschlorbeer. Er versagt jedoch dann, wenn er von zwei Extremen gleichzeitig herausgefordert wird. Das war offenbar der Fall.
Die Sonne schien während des Kälteeinbruchs ziemlich oft. Die Strahlen wärmten die Blätter auf und aktivierten sie. Die unzähligen Spaltöffnungen, eine Art winzige Atemlöcher, öffneten sich und durch sie verdunstete Wasser aus den Blättern. Dieser Prozess ist in der warmen Jahreszeit lebenswichtig für jedes Gewächs. Die Verdunstung führt in den Blättern zu einem Unterdruck. Dieses Vakuum zieht neues Wasser aus den Wurzeln samt den darin gelösten Nährstoffen nach oben. Auf diese Weise ernähren sich Pflanzen.
Der Kirschlorbeer ist ein ziemlich guter Verdunster. Er gibt pro Stunde einen Deziliter Wasser an die Luft ab und genausoviel fliesst durch die Wurzeln wieder nach. Wenn aber der Boden beinhart gefroren ist, bricht der Nachschub zusammen. Doch das Wissen die Blätter in der warmen Wintersonne natürlich nicht. Sie tun, was sie immer tun und unterschreiben so ihr eigenes Todesurteil. Da kein neues Wasser von unten nachkommt, sterben die ausgetrockneten Blätter schliesslich ab. Darum hat nicht die Kälte sie getötet, sondern der Flüssigkeitsmangel.

Kommentare:

  1. kann ich nur bestätigen - super erklärt.
    Die nächsten Tage werde ich sie wohl teilweise etwas einkürzen müssen. Sieht grad erbärmlich aus unser Kirschlorbeer. Die Blatt.Knospen haben es zum Glück bei uns größtenteils überlebt, aber die Blütenknospen sehen kaputt aus.
    Viele Grüße von Renate

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  2. Sehr interessant. Hab grad heut von der Nachbarin gehört, dass man aber dennoch den erfrorenen Kirschlorbeer bis sicher Ende Mai stehen lassen soll um sicher zu sein, was denn wirklich erfroren ist. Auch bei uns sieht man die Erfrorenen überall.
    Liege Grüsse und ein schönes Wochenende!
    Ida

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  3. Oh, ich glaube der Kirschlorbeer ist sehr robust. Der wird sich schon wieder erholen.

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  4. Erstaunlich finde ich nur, dass die Rhododendren wesentlich besser mit diesem Umstand umgehen konnten. So erbärmlich wie die tagelang beim Dauerfrost aussahen hatte, ich schon mit dem Schlimmsten gerechnet. Aber vielleicht haben sie auch die schattigeren Plätze geschützt. Denn nur die sonnig stehenden Kirschlorbeer-Sträucher haben ei uns im Garten und in der Nachbarschaft fürchterlich gelitten.
    LG Silke

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  5. ooooooooooooh, unsere beiden Kirschlorbeer sehen leider auch so aus. Ich wusste nicht, dass wir da hätten nachgießen sollen. Mal sehen, wie und ob er sich erholt. Wir hoffen es.

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