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Dienstag, 22. November 2011

Der wertvollste Kot der Welt

So sieht Regenwurmkot aus. Die beste Erde, die es gibt.
Es gibt Tiere, die machen meinen Garten jedes Jahr ein wenig grösser. Zu den prominentesten unter ihnen gehören die Regenwürmer. Jetzt im Herbst haben sie Hochbetrieb. Und ich kann förmlich sehen, wie mein Garten dem Himmel entgegenwächst.
Die Würmer fressen die Blätter, die jetzt reichlich auf dem Rasen liegen. Dazu kommen sie nachts aus ihren Gängen an die Oberfläche, schnappen sich ein Blatt und ziehen es hinunter in die Tiefe. Dort können sie sich mit Fressen und Verdauen Zeit lassen. Wenn das Blatt in ihrem Magen und ihrem Darm zerkleinert, zermalmt und verdaut wurde, kommt die Stunde, in der es den Regenwurm wieder verlassen muss.
Um ihr Geschäft zu verrichten, kriechen die Regenwürmer an die Oberfläche und scheiden dort ein Häufchen Kot aus. Doch das hat mit dem, was beispielsweise ein Hund von sich gibt, nichts zu tun. Regenwurmkot stinkt nicht und wenn man drauftritt, ist es auch nicht weiter schlimm, denn er besteht aus reiner Erde. So hat sich ein Blatt in neuen Boden verwandelt.
Durch ihre Tätigkeit kommt mein Garten jedes Jahr einen Bruchteil eines Millimeters höher zu liegen. Mein Haus sinkt also mit der Zeit im Rasen ein. Zum Glück ist der Prozess unendlich langsam. Nur schon um unsere heutigen Böden mit einer Tiefe von zwei Metern zu bilden, benötigten die Regenwürmer 10 000 Jahre.
Ihr Kot ist die beste Erde, die es gibt. Sie enthält fünf Mal mehr Stickstoff und sieben mal mehr Phosphor im Vergleich zur Umgebungserde. Da verstehe ich nicht, warum es Leute gibt, die jedes einzelne Blatt auf ihrem Rasen zusammen rechen und irgendwo deponieren. Auf diese Weise stehlen sie den Regenwürmern bloss das Futter und halten ihrem Rasen die jährliche Gratisdüngung vor.

Kommentare:

  1. Danke schön, ein wunderbarer Text!

    Du sprichst mir aus dem Herzen.

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  2. So helfen uns kleine Lebewesen, meist von uns unbemerkt, und ohne dass wir uns über den Wert ihres "Beitrags" bewusst sind. Danke für den Artikel.

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