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Montag, 16. Mai 2011

Aus Blattläusen wird Erdbeerkuchen

Eine geflügelte Blattlaus auf einem
heranreifenden Apfel.
Es gibt fast keine Pflanze im Garten, die nicht von Blattläusen befallen ist. Die Gräser, der Salat, die Bohnen und sogar die Brennesseln leiden gemeinsam an den kleinen Biestern. Blattläuse tun dasselbe, was unsere Kopfläuse auch machen. Sie saugen den Saft ihres Wirts. Bei den Pflanzen ist das freilich nicht Blut, sondern der Zuckersaft, den die Blätter bei der Photosynthese produzieren, und der danach in den Leiterbahnen hinunter zu den Wurzeln fliesst. In diesen fortwährenden süssen Strom stecken die Blattläuse ihren Rüssel. Der hohe Druck, der in den Leiterbahnen herrscht, presst die Flüssigkeit in die Laus hinein, ohne dass sie noch aktiv saugen müsste. Sie lässt sich buchstäblich vollaufen.
Viele Leute ekeln sich vor Blattläusen, weil ihre kleinen, oft schwarzen Körper ganze Teppiche auf Blättern und Pflanzenstengel bilden. Das sieht schon mal nicht sehr appetitlich aus. Ganz schlimm wird es jedoch erst, wenn man versucht, die Insekten mit den Fingern abzustreifen. Viele Arten klammern sich beharrlich an ihre unerschöpfliche Nahrungsquelle und lassen auch im Angesicht eines menschlichen Zeigefingers und Daumens davon nicht ab. Eher lassen sie sich wie in einer Schrottpresse zerquetschen. Das klebrige Geschmier aus Blattlausleichen verdirbt einem vollends den Appetit.
Die Hautfarbe spielt bei den Blattläusen
keine grosse Rolle. Auf der Rose gibt
es genug Platz für alle.
Mich persönlich stören ein paar Blattläuse auf dem Salat nicht sonderlich. Eines dieser Insekten zu essen ist nicht viel anders, als in ein Salatblatt selbst zu beissen. Von ihm hat sie schliesslich alles, was sie ist. Sogar die Ausscheidungen einer Blattlaus bestehen aus reinem, pflanzlichem Zuckersaft – also nichts, was auf einem Salatteller fehl am Platz wäre. Darum halte ich mein Gemüse nur einmal kurz unter den Wasserhahn. Wer dem Wasserstrahl trotzt, landet in meinem Magen.
So wie ich denken auch die meisten Raubinsekten meines Gartens. Blattläuse sind so zahlreich und vermehren sich so schnell, dass es eine Schande wäre, sie nicht zu verspeisen. Sie stehen ganz unten in der Nahrungskette und sind eine Art Plankton des Gartens.
Sie werden von grösseren Insekten gefressen, diese wieder von grösseren und diese von Vögeln und diese von Greifvögeln. Es gibt eine unendliche Zahl solcher Nahrungsketten und alle beginnen bei der Blattlaus. Eine dieser Ketten gefällt mir besonders gut. Sie geht so: Die Larve der Schwebfliege frisst Blattläuse bis sie sich verpuppt. Wenn die Schwebfliege schlüpft, bestäubt sie viele Pflanzen, darunter die Erdbeeren. Die Erdbeeren reifen, ein Bauer kommt und pflückt sie und ein Bäcker macht daraus Erdbeerkuchen. Ich esse den Erdbeerkuchen. Genau so schmecken mir Blattläuse am besten.

Kommentare:

  1. "eine Art Plankton des Gartens" - das ist ein ganz wundervoller Ausdruck!
    Dein Blick auf die Blattläuse ist phänomenal - ich bin froh, daß ich diesen Post nicht übersehen habe. Vielen Dank dafür!
    Ganz liebe Grüße von Renate

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  2. Ich habe gestern auch Fotos von Blattläusen auf einer Rose gemacht, aber noch nicht online gestellt. Bei uns sind diese Biester derzeit ebenfalls sehr häufig anzutreffen.

    lg kathrin

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