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Mittwoch, 14. April 2010

Gelage auf dem Blütenturm

Blühen und duften können die
Hyazinthen wie keine andere
Gartenpflanze.
Es wundert mich nicht, dass die Käfer ausgerechnet auf ihr gelandet sind. Die Hyazinthe (Hyacinthus orientalis) ist eine der effizientesten Blüherinnen im Garten und jedes Lebewesen, das sich für Blumen interessiert muss einfach zu ihr hin und sie bestaunen und sie nach Möglichkeit vernaschen. Uns Menschen geht es da nicht anders. Diese Pflanze ist der Inbegriff des Wortes «blühen».
Das war nicht immer so, denn die Üppigkeit der Hyazinthe ist nicht dem Schoss der Natur entsprungen, sondern vielmehr der Geduld der Züchter.
Im 16. Jahrhundert wurden die ersten wilden Exemplare aus der Türkei eingeführt. Die Züchtung hat im Laufe der Jahrhunderte das schöne Monster aus ihr gemacht, das es heute in jeder Gärtnerei zu kaufen gibt. In einem geschlossenen Raum verursacht ihr intensiver Duft schon fast Kopfweh. Beim Wildtyp stehen die einzelnen Blüten viel lockerer und es gibt bei weitem nicht so viele auf einmal pro Stamm.
Doch wenn kümmert das? Die Rapsglanzkäfer, die sich jetzt über sie hermachen, sicher nicht. Sie sind gefürchtete Raps-Schädlinge, die sich auf den Verzehr von Geschlechtsorganen der Pflanzen spezialisiert haben. Das heisst, sie fressen den Pollen (die männlichen Geschlechtsteile), die Stempel (die weiblichen Geschlechtsteile) und die Fruchtknoten (die Gebärmutter). Ohne sie kann der Raps keine Samen produzieren und die Bauern gehen leer aus.
Dieser Käfer hat den Weg zurück
ins Restaurant gefunden.


Natürlich blüht jetzt im April noch kein Raps und darum kommen ihnen die Hyazinthen wie gerufen. Für sie muss sich das wie der Besuch in einem Hochhaus anfühlen, in dem es auf jedem Stock ein anderes Restaurant gibt. Ein Festessen.
Er hat sich in der Adresse geirrt.






Doch die Gäste sind bei aller Gier, mit der sie sich im Pollen wälzen, ein wenig schreckhaft. Wenn ich mit meinem Mund nahe an die Blüten heran komme und dann ein wenig blase, lassen sich die Käfer sofort fallen. Offenbar ist das eine Art Schutzreflex, der sie vielleicht davor bewahrt, von einem Vogel oder einem anderen Räuber gefressen zu werden. Die Käfer rieseln gleich zu Dutzenden aus den tiefen Blütenkelchen der Hyazinthe und lassen sich in die Schluchten des Rasens fallen. Dort bleiben sie allerdings nicht lange liegen. Bald schon sehe ich sie wieder am Stamm der Hyazinthe empor klettern. Einige irren sich dabei auch in der Adresse. Denn statt im 5-Sterne Restaurant landen sie auf der Spitze eines Grashalms. Dort hocken sie minutenlang und überlegen sich wahrscheinlich, wie nochmals eine Hyazinthe von unten aussieht.

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