Das Leben der Blattläuse in meinem Garten gibt es jetzt als Comic. Hier bestellen.

Dienstag, 28. August 2012

Mistkäfer

Die Mistkäfer zerfleddern den Pferdeapfel vollständig.
Postkarte aus Dänemark:
In einem Waldstück am Gurre See westlich von Helsingør wurde ich Zeuge eines eher unappetitlichen Banketts. Auf dem Waldweg lagen mehrere zertretene Pferdeäpfel, in denen Dutzende von Mistkäfern wühlten. Die Insekten waren in einem regelrechten Fressrausch und nahmen von mir gar keine Notiz. Einige von ihnen stolperten hastig über den Dung als ob es irgendwo noch einen grösseren Haufen zu entdecken gäbe. Die meisten jedoch waren mit dem gedrängten Bad im Mist vollkommen zufrieden. Von ihnen sah ich nur das Hinterteil. Den Kopf hatten sie tief in der grünen Masse eingegraben.
Ich habe noch nie so viele Mistkäfer auf einen Haufen gesehen. Aber ein Rekord war das trotzdem nicht. In den Siebziger Jahren zählten zwei Forscher in Ostafrika in einem 1,5 Kilogramm schweren Kothaufen eines Elefanten 16 000 Mistkäfer. In nur zwei Stunden war vom Erdboden verschwunden.
Die Käfer fressen vor allem die unverdauten faserigen
Bestandteile.
Daran zeigt sich die grosse ökologische Bedeutung dieser Insekten. Sie räumen den Kot anderer Tiere weg. Verschiedene Arten gehen dabei unterschiedlich zu Werke. Manche, wie meine dänische Art, fressen sich durch den Haufen. Für sie bildet der Kot eine reiche Mahlzeit. Andere drehen ihn zu Pillen und legen danach ihre Eier darin ab. Wieder andere bugsieren ihn in einen selbst gegrabenen Tunnel als Futter für ihre Larven.
Diese Arbeit ist so wichtig, dass die Abwesenheit von Mistkäfern verheerende Folgen haben kann. Als australische Siedler die ersten europäischen Kühe auf den Kontinent brachten, wussten die einheimischen Mistkäfer nichts mit den fremdartigen Fladen anzufangen und rührten diese nicht an. Als Folge versank das Landwirtschaftsland bald unter einem Berg von Kuhmist. Erst die Einführung von mehreren Mistkäferarten aus Europa brachte Abhilfe.

Mittwoch, 8. August 2012

Streifen der Unschuld

Die Fleischfliege sieht harmlos aus, sie kann jedoch
Krankheiten übertragen und ihre Maden fressen Kaninchen
bei lebendigem Leib.
Manche Tiere des Gartens werden mit einer geradezu positiven Ausstrahlung geboren, obwohl ihre Taten allseits gefürchtet sind. Zu ihnen gehören die «Zebrafliegen». Sie sind häufige Besucher auf nektarreichen Blüten, wo sie sich ganz unschuldig am Zuckersaft laben. Ihre schwarzen Längsstreifen auf dem Rücken haben ihnen ihren Spitznamen eingebracht, unter dem sie in Fotografie-Gemeinden auch gehandelt werden. Doch statt mit einem Zebra haben sie mehr mit einem Löwen gemein.
Die korrekte Bezeichnung für sie lautet «Fleischfliegen». Ihre Maden ernähren sich ausschliesslich von eiweissreichem Futter wie Fleisch, Käse, Fisch oder Kot. Mit Hilfe eines abgesonderten Enzyms verflüssigt die Made das Eiweiss und braucht es danach nur noch aufzulecken.
Das Enzym ist so potent, dass sie damit auch das Gewebe noch lebender Tiere angreifen können. Manche Fliegen legen ihre Eier beispielsweise direkt auf einem Kaninchen ab. Kurz darauf schlüpfen sie und bohren sich in nur vier Stunden durch die Haut ihres armen Opfers. Im Körper stellen sie Giftstoffe her, die das Kaninchen in einen Schockzustand versetzen und letztendlich umbringen.
Aber auch uns Menschen können diese Insekten gefährlich werden. Wenn die Fliegen aus ihren Kokons schlüpfen, kommen sie unweigerlich mit den Bakterien des Kadavers in Kontakt. Diese reisen nun als blinde Passagiere in unser Wohnzimmer oder unsere Küche, wo sie ihre gefährliche Fracht auf Esswaren abladen. Auf diese Weise breiten sich unter unhygienischen Bedingungen Infektionskrankheiten aus.

Freitag, 27. Juli 2012

Die Senfölbombe

Die Blüten der Kapuzinerkresse enfachen im Mund...
Eines der interessantesten Geschmackserlebnisse im Garten bieten derzeit die Blüten der Kapuzinerkresse. Wer sie als ganzes isst, erlebt ein wahres Orchester auf Zunge und Gaumen. Es beginnt ganz leise. Die papierartige Oberfläche der Blüten saugt den Speichel auf, als ob das Orchester inne anhalten würde. Alle Geigen schweigen. Die ersten beiden Kaubewegungen geben den Takt and und dann ergiesst sich eine wunderbar sanfte Süsse in den Mundraum. Die Nektardrüsen sind ausgelaufen. Die Zuckermenge ist jedoch sehr klein und darum verschwindet der süsse Ton gleich wieder.
Für einen winzigen Augenblick herrscht erneut absolute Stille – und dann bricht aus dem Nichts ein heisser Sturm über die Zunge herein. Nun tobt das Orchester, als ob es den «Ritt der Walküren» gleichzeitig vorwärts und rückwärts spielen würde. Das Feuer brennt in jedem Winkel und nach ein paar weiteren Kaubewegungen erreicht es den Eingang zu den Nasenhöhlen. Eine Katastrophe droht, doch in letzter Sekunde bereitet eine unwillkürlich eintretende Schluckbewegung dem ganzen Spektakel ein Ende. Zurück bleibt ein wohliges Brennen, wie nach einem Menthol-Bonbon.
...ein wahres Feuerwerk an Geschmacksempfindungen.
Was wir als Gaumenfreude betrachten, ist für die Kapuzinerkresse bitterer Ernst. Die Schärfe rührt von einem genialen Abwehrsystem her. Mit ihm wollen die Pflanzen verhindern, dass sie von Raupen, Heuschrecken, Pilzen oder anderen Fressfeinden verzehrt werden. Es ist eine chemische Verteidigung, die für uns Menschen allerdings viel zu schwach ist.
Ihr Grundprinzip funktioniert so: In den Zellen der Blüten, des Stengels und der Blätter befinden sich zwei Chemikalien, die Myrosinase und das Glucosinolat. Letzteres ist eine Art kastrierter Kampfstoff. Es fehlen ihm einige Wasserstoffatome. Die sind jedoch so wichtig, dass das Glucosinolat für sich alleine vollkommen harmlos ist. Erst die Myrosinase, ein Enzym, macht es gefährlich, denn es kann ihm die Wasserstoffatome einverleiben.
Zu Friedenszeiten werden beide Chemikalien in getrennten Behältern gelagert und kommen niemals miteinander in Berührung. Sobald jedoch ein paar Zähne oder Mandibeln die Zellen auseinanderreissen, platzen die Behälter und die chemische Reaktion nimmt ihren Lauf. In wenigen Sekunden verwandelt sich das Glucosinolat mit Hilfe der Myrosinase in Senföl. Es ist der allseits bekannte Scharfmacher von Senf, Radieschen, Meerrettich, Wasabi und den verschiedenen Kressearten. Ihr System der Kampfstoffproduktion ist so einzigartig, dass die Forscher es mit einem eigenen Namen beehrt haben: die «Senfölbombe».

Donnerstag, 5. Juli 2012

Die Pflanzenwürgerin

Immer von rechts nach links schlängelt
sich die Winde um andere Pflanzen.
Juli ist der Monat der Ackerwinde. Bei Leuten, die gartenfernen Berufszweigen angehören, löst der Name Bilder von wunderschönen weissen bis rosaroten Blumen aus, die bevorzugt Wegränder und Zäune zieren. Alle Bauern und Gärtner jedoch trifft auf der Stelle das blanke Entsetzen. Für sie ist die Ackerwinde Teufelswerk. Weltweit steht sie auf Platz 12 der schlimmsten Unkräuter.
Ihre Triebe kriechen erst über den Boden und wenn sie an den Stängel einer anderen Pflanze stossen, winden sie sich an ihm im Gegenuhrzeigersinn wie eine Schlange hoch. Das sieht auf den ersten Blick harmlos aus, doch sobald die Triebspitze oben angekommen ist, pumpt sie ihre bis anhin winzigen Blätter mit Wasser voll und lässt sie so auf die Grösse von Esslöffeln anschwellen. Die Trägerpflanze verschwindet vollständig und wird während der besten Zeit des Jahres zu einem Leben im ewigen Schatten verdammt. Zu allem Übel entzieht die Winde dem Boden auch noch die Nährstoffe, so dass für alle anderen Pflanzen ringsum magere Zeiten anbrechen.
Der Effekt dieser Strategie auf Ackerkulturen ist verheerend. Ein Weizenfeld mit Windenbefall kann eine Ertragseinbusse von bis zu 75 Prozent erleiden. Für den Landwirt kommt das einem Ernteausfall gleich. Kein Wunder versuchen sie das Unkraut mit allen Mitteln zu bekämpfen. Bis heute gibt es jedoch keine zuverlässige Methode. Ausreissen nützt nur vorübergehend etwas, denn das Wurzelsystem einer einzelnen Winde kann sechs Meter im Durchmesser betragen und neun Meter tief in den Boden reichen. Aus demselben Grund treiben die Pflanzen auch nach jahrelangem Herbizideinsatz immer wieder von neuem aus.
Am Ende breitet sie ihre Blätter aus
und beansprucht das Sonnenlicht
allein für sich.
Aber die Ackerwinde war uns Menschen nicht immer verhasst. Die Alten Griechen verwendeten ihre Blätter zur Wundheilung und gegen innere Blutungen. Im 18. Jahrhundert wurde sie zur Fiebersenkung verschrieben und noch im 20. Jahrhundert verfütterte man auf Sizilien Windenblätter an Hasen, die unter Appetitlosigkeit litten. Sogar die Indianer Nordamerikas haben die von Europa stammende Pflanze als Mittel gegen Spinnenbisse in ihre traditionelle Medizin aufgenommen.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Geruchlose Schönheit

Die Blüte der Strelizie ist für Vögel gebaut. Sie bietet ihnen
sogar eine Sitzgelegenheit.
Nach fünf Jahren blüht meine Strelizie endlich. Sie benötigte für die Entwicklung ihrer beiden Blüten fast ein Jahr. Das liegt wohl an den nicht so mediterranen Temperaturen des Zürcher Oberlandes. «Blüte» ist wohl nicht der geeignete Ausdruck. Was sich da entfaltet hat, gleicht mehr einem phantasievollen Plastik aus der Werkstätte eines Kunststudenten. Da vermischen sich Rot- und Blautöne miteinander als hätte jemand Gletschereis in einen Bottich mit flüssigem Eisen fallen lassen.
Doch der Schein trügt. Die Strelizie hatte nicht Kunst im Sinn als sie ihre Blüten über Jahrmillionen in diese eigentümliche Form brachte, sondern Sex. Als Liebesboten hat die Südländerin anders als die meisten mitteleuropäischen Pflanzen keine Insekten angestellt, sondern Vögel. Die sind in vielerlei Hinsicht verlässlicher als Hummeln oder Bienen, denn sie verrichten ihre Arbeit auch bei Regenwetter oder Kälte.
Damit jedoch eine Blüte überhaupt von einem Vogel besucht werden kann, muss sie einige Modifikationen vornehmen. Da gibt es zum Beispiel das Problem der Stabilität. Vögel sind mehrere hundert Gramm schwer. Wenn so ein Brummer landet, darf der Blütenstängel nicht gleich einknicken. Diese Gefahr besteht bei der Strelizie nicht. Ihre Blüte ruht auf einem dicken und zugleich flexiblen Stängel, der am oberen Ende einen nahezu rechten Winkel vollführt – ein idealer Landeplatz für einen Vogel.
Damit sich ausschliesslich Vögel und keine Insekten an ihrem Nektar gütlich tun, kleidet sie sich bevorzugt in rote Farben ein. Vögel sehen Farben im Wellenlängenbereich von 300 bis 660 Nanometer also von blau bis rot. Das Spektrum der Bienen hingegen reicht nur bis 550 Nanometer (gelblich-grün). Mit roten oder orangen Petalblättern lockt die Sterlizie also ausschliesslich Vögel an, nicht aber Insekten, die ihr den Nektar stibitzen könnten, ohne dafür Pollen zu übertragen.
Es gibt eine Sache, die eine vogelbestäubte Blüte nicht braucht: Duft. Vögel haben äusserst schlechte Nasen. Das heisst, jegliche Form von Parfüm ist vergebliche Liebesmühe. Die Strelizie weiss das, denn sie riecht nach absolut nichts.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Ersatzspieler

Die Raupen des Kleinen Fuchses besitzen einen
tödlichen Appetit.
Brennesseln sind von allen Gartenpflanzen am schwersten bewaffnet. Jeder Quadratzentimeter von ihnen ist mit Dutzenden von Brennhaaren bewachsen, aus denen sie bei der kleinsten Berührung Ameisensäure versprühen. Die Raupen des Kleinen Fuchses stört das jedoch nicht im Geringsten. Sie fressen sich gerade munter quer durch die sattgrünen Blätter. Dabei nagen sie jedes einzelne von ihnen fein säuberlich bis auf den Stiel ab. Für die Brennessel ist das so, wie wenn ihr jemand den Strom abstellen würde, denn die Blätter stellen die Energiefabriken der Pflanzen dar. Doch so leicht gibt sie nicht klein bei. Sie wird schon seit vielen hunderttausend Jahren von Frassinsekten traktiert und hat inzwischen dazugelernt. Während ihres Wachstums legt sie jedes Blatt gleich mehrmals an. Aus jedem Stielansatz spriessen bereits zu Friedenszeiten winzige Blättchen. Sie sind eine Art Ersatzspieler. Unter normalen Bedingungen, wenn die Brennessel nicht angeknabbert wird, bleiben sie klein und unscheinbar. Sobald jedoch jemand die Hauptblätter durchlöchert, beginnen sie zu wachsen.
Sie können die ganze Pflanze
kahl fressen. Doch der Brennessel
macht das Dank ihren Stammzellen
nichts aus.
Allerdings hilft das wenig gegen den tödlichen Appetit der Schmetterlingsraupen. Diese fressen im Nu auch die Ersatzblätter kahl bis von der Brennessel nur noch ein Skelett aus Stängeln übrig bleibt. Was tut die nackte Pflanze? Sie ruft den Ersatz des Ersatzes auf den Plan und lässt neue Blätter spriessen. Das kann sie beliebig oft wiederholen, so lange bis sich die Raupen verpuppen und keine Gefahr mehr darstellen. Das Geheimnis der unverwüstlichen Brennesseln liegt am Ansatz des Blattstiels. Dort befinden sich pflanzliche Stammzellen, das so genannte Meristem. Es ist unsterblich und kann nach Belieben alle möglichen Pflanzenteile immer wieder reproduzieren. Es ist ihr persönlicher Jungbrunnen, mit dem sie auch die schlimmsten Plagen übersteht.

Donnerstag, 17. Mai 2012

Das globale Kräutersäckchen


Das Kräutersäckchen aus dem Supermarkt auch bekannt
als Schwarztee.
Mein linkes Augenlied hat sich entzündet. Vor hundert Jahren hätte mir der Augenarzt eine Liste mit Kräuternamen gegeben. Die Kräuter hätte ich dann in meinem Garten gepflückt und daraus einen Heilsud gebraut. Na ja, die Zeiten sind vorbei. Heute gibt es eine kleine Tube voll Antibiotikum. Ein Tropfen dreimal am Tag für eine Woche und die Entzündung ist weg.
Ich wollte schon gehen, da holte der Augenarzt nochmals Luft (er war von Bern) und sagte, dass ich unterstützend mit Schwarztee behandeln könne. Das geht wie folgt: Der Teebeutel wird mit heissem Wasser aufgebrüht und zwischen 2 und 30 Minuten ziehen gelassen. Beutel raus nehmen und etwas abkühlen lassen («Suscht chömet er denn mit eme verbrännte Aug zu mer»). Den kalten Beutel anschliessend fünf bis fünfzehn Minuten direkt auf das entzündete Lied legen.
Die Besinnung moderner Ärzte auf alte Kräuterkünste kommt nicht von ungefähr. 2009 hat der deutsche Arzt Georg Gallenkemper eine ausführliche Studie zur Heilwirkung von Tee veröffentlicht. Darin konnte er zeigen, dass Schwarzteeumschläge zu einem schnellen Abklingen von Ekzemen und anderen Hautreizungen führte.
Erst abkühlen lassen, dann auf's Auge drücken. 
Die heilende Wirkung stammt unter anderem von den so genannten Flavonoiden. Das sind chemische Verbindungen, mit denen sich Pflanzen selber vor schädlichen Umwelteinflüssen wie UV-Strahlung oder Bakterienkrankheiten schützen. Zudem sind Flavonoide schmerzstillend, was den Teebeutel auch bei Insektenstichen auf den Plan ruft.
Früher lieferten uns die Gärten zu jedem Leiden ein Kraut. Heute sind wir immerhin bereits wieder soweit, dass wir uns den abgekochten Schwarzteebeutel vor der Entsorgung kurz noch auf das Auge drücken. Vielleicht ist dieses globale Kräutersäckchen der Wegbereiter für die Rückkehr der Heilpflanzen in unsere Gärten.

Download der Studie von Georg Gallenkemper als PDF

Montag, 7. Mai 2012

Das Schweigen der Küken


Jetzt betteln die Jungen bereits, obwohl sie den Altvogel
noch gar nicht erblickt haben. Reagieren sie auf die
Kratzgeräusche der scharfen Kleiber-Krallen?
In meinem Garten brütet ein Kleiber-Pärchen. Es hat alle Schnäbel voll zu tun mit dem Heranschaffen von Käferlarven und Raupen. Alle paar Minuten landet ein Elternteil auf dem Baumstamm, hüpft dann auf das Dach des Nistkastens und huscht dann flink durch das Loch zu den Küken hinein. Einige Sekunden später ist das Futter verteilt und der Kleiber schiesst nach einigen kurzen Kontrollblicken pfeilschnell aus dem Häuschen heraus.
Während der ganzen Aktion geben sich die Küken keineswegs als passive Zuschauer. Sobald ein Altvogel auf dem Dach des Häuschens landet, lassen sie eine Salve von Bettelrufen los. Das erregte Piepsen hört erst wieder auf, nachdem die Schnäbel gestopft sind und die Mutter oder der Vater längst wieder auf dem Beschaffungsflug sind.
Das Ziel der Bettelrufe ist ein sehr egoistisches. Die Eltern füttern am eifrigsten bettelnde Junge zuerst. Eine laute Klappe zu haben ist also für einen Jungvogel überlebenswichtig. Aber es ist auch gefährlich. Wenn nämlich ein Marder oder eine Katze am Nistkasten kratzt, können verräterische Bettelrufe das Schicksal einer ganzen Brut besiegeln. Darum betteln die Jungvögel nur dann, wenn sie die typischen Laute ihrer Eltern wahrnehmen. Was das allerdings bei Kleibern sein könnte, ist mir ein Rätsel. Denn die Eltern verrichten ihre Arbeit ohne je einen Pieps von sich zu geben.
Nach einigen Sekunden guckt er kurz kritisch in die Runde,
dann schiesst er davon, um neue Käferlarven heranzuschaffen.
Vielleicht reagieren sie auf die Vibrationen der flatternden Flügel? Ich mache einen Test und lege mein auf stumm geschaltetes Handy auf das Dach und rufe mit einem zweiten Handy darauf an. Es vibriert, aber die jungen Kleiber im Nest sind mucksmäuschenstill. Reagieren sie etwa auf die Kratzgeräusche der Krallen ihrer Eltern? Ich ziehe meine Fingernägel vorsichtig über das Dach. Keine Reaktion. Die Jungvögel lassen sich nicht täuschen. Offenbar hat sich im Laufe der Evolution eine Art Geheimsprache zwischen Eltern und Jungen entwickelt. Dass ich und vor allem der Marder sie nicht entschlüsseln können, sichert ihnen das Überleben.
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